Getanzte Völkerverständigung
Wer vertritt Deutschland beim Finale der neunten Kulturolympiade in der Türkei? In den Kategorien Gesang, Gedicht und Tanz kämpften in den vergangenen Monaten bundesweit hunderte Jugendliche um den Einzug in die Endrunde. Gestern stellten die Finalisten vor 5000 Zuschauern in der Porsche-Arena ihr Können unter Beweis. Zudem wurden im Beisein von Oberbürgermeister Wolfgang Schuster die Sieger geehrt.
Auf die Idee, mit einem türkischen Popsong bei der deutsch-türkischen Kulturolympiade teilzunehmen, kam Lars Wiedmann aus Nagold ganz spontan. „Aus Spaß, ein türkischer Freund hat mich auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht, dann habe ich es einfach mal probiert", so der 14-Jährige. Dabei spreche er kein Wort Türkisch. „Ich habe mir den Songtext übersetzen lassen, eingeprägt und immer wieder vor türkischen Bekannten geübt." Mit Erfolg: In Paderborn setzte er sich in der Vorausscheidung mit dem Titel „Gec Bunlari Yalan" durch. „Ich habe mir mehrere Lieder angehört, das von Murat Basaran gefiel mir aber am Besten." Mit den fremden Melodien habe er keine Probleme gehabt. „Klar ist es andere Musik, aber so schwierig war es gar nicht." Auch Türkisch würde er sich gerne aneignen, gesteht aber zugleich, dass die Sprache nicht „so einfach ist".
Erstmals wurden bei der Kulturolympiade - nur Teilnehmer mit türkischem Liedgut konnten sich für das Finale in der Türkei qualifizieren - auch deutsche Stücke wie „So a Stückerl heile Welt", „Heidi" oder „Bunt sind schon die Wälder" vorgetragen. Gewinner in dieser Kategorie war Ilayda Üçkulak aus Mannheim, die „Guten Abend, Gut' Nacht" sang. „Es ist ein Zeichen der erfolgreichen Integration, dass es nicht mehr nur die türkische, sondern erstmals die deutsch-türkische Kulturolympiade ist", sagte Oberbürgermeister Wolfgang Schuster. Man müsse schon in der Schule zusammen lernen und zusammen leben. „Dafür ist es jedoch sehr wichtig, dass man in einer Einwanderungsstadt wie Stuttgart, in der 170 verschiedene Nationen leben, die deutsche Sprache spricht", so Schuster. Aber auch als Deutscher dürfe man die türkische Sprache nicht vernachlässigen. „Sie bekommt immer mehr Bedeutung in Europa." Sein besonderer Dank galt an den diesjährigen Ausrichter der Kulturolympiade, der Cannstatter BiL-Schule, die in den vergangenen Jahren die Integration von Kinder- und Jugendlichen erfolgreich gefördert habe. „Es zeigt sich, dass wir in der Landeshauptstadt ein gutes Stück vorangekommen sind", fügte Stuttgarts Erster Bürgermeister Michael Föll hinzu.
Sichtlich Stolz war indes Muammer Akin, Rektor der BiL-Schule: „Es ist uns eine besondere Ehre, dass wir das Finale der ersten deutsch-türkischen Kulturolympiade in der Porsche-Arena veranstalten dürfen. Das Privatgymnasium hat in den vergangenen Jahren bereits zwei Teilnehmer in die Türkei geschickt. Er hofft, dass auch die gestrigen Gewinner Deutschland unter 130 anderen Ländern würdig vertreten werden. Für Lars Wiedmann aus Nagold hat es in seiner Kategorie nicht ganz gereicht, er landete auf dem zweiten Platz. Dafür qualifizierte sich die Türkin Simge Akdamar aus Böblingen mit ihrem Song „Saçlarini Tramissin" für das große Finale der Kulturolympiade in der Türkei. „Dabei war ich vor meinem Auftritt so aufgeregt", sagte die 14-Jährige. „Dass es für den ersten Platz in meiner Kategorie gereicht hat und ich zum Wettbewerb in die Türkei fahren darf, ist umso schöner." Oben drauf gab es für die Siegerin zudem noch einen Laptop.
Quelle: Cannstatter Zeitung






