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Eindrucksvolle Werbung für Toleranz

Ein kleines türkisches Mädchen, das das deutsche Volkslied „Horch, was kommt von draußen rein" singt, ein türkischer Junge, der Goethes „Erlkönig" rezitiert, oder ein deutscher Junge, der ein türkisches Gedicht aufsagt. Und das alles auf einer Bühne. Dieses ungewöhnliche Erlebnis wurde gestern den Besuchern des Hessen-Finales der Deutsch-Türkischen Kulturolympiade in einer proppenvollen Kongresshalle zuteil.

Laut Veranstalterangaben etwa 1100 Menschen, darunter viele Familien, saßen dicht gedrängt in spannungsvoller Erwartung der Auftritte der 19 jungen Leute, die sich für diesen Landesentscheid qualifiziert hatten. Die Gewinner der vom Wetzlarer gemeinnützigen Bildungsverein Optimum e.V. in Verbindung mit dem Frankfurter Academy e.V. ausgerichteten Veranstaltung, die unter dem Motto „Kultur verbindet" stand, werden sich schon bald im Bundesfinale mit den Teilnehmern aus anderen Bundesländern messen. Die Idee hinter dem in verschiedene Kategorien aufgeteilten Wettbewerb ist, nicht nur einen weiteren Beitrag zur Integration und zur Verbesserung der Sprachfähigkeit zu leisten, sondern den ausländischen Mitbürgern deutsches Kulturgut nahezubringen. Seien es nun Volkslieder, Gedichte von Größen wie Goethe oder Schiller oder Theaterstücke.

Als Erste dem Urteil der Jury stellte sich die kleine Beyza Yildirim aus Frankfurt/Main, und begeisterte mit „Horch, was kommt von draußen rein", einem der wohl bekanntesten deutschen Volkslieder. Wie alle nachfolgenden Auftretenden wurde sie mit kräftigem, herzlichem Applaus von der Bühne verabschiedet. „Dieser Weg", den großen Hit von Xavier Naidoo, sang danach die Schülerin Elif Ata aus Darmstadt, während der etwa gleichaltrige Halim Nual Goethes „Erlkönig" zu begleitender Musik auswendig vortrug und sogar manche Passagen sang. Mit den größten Beifall gab es für einen 18-köpfigen Mädchenchor aus Frankfurt/Main, der den gesamten Saal mit der „Ode an die Freude" und passend dazu „Freut euch des Lebens" bezauberte. Eine Werbung für Toleranz und Dialog zwischen den Menschen unterschiedlicher Kulturkreise stellte dann das Theaterstück einiger Offenbacher Jugendlicher dar. Und auch Gießen war später am Nachmittag mit drei Teilnehmern vertreten: den jungen Sängern Beyza Türker und Mustafa Saylu sowie dem Deutschen Nico Weber, der ein türkisches Gedicht vortrug.

Bei der Premiere der Deutsch-Türkischen Kulturolympiade waren unter anderem der Generalkonsul des türkischen Konsulats in Frankfurt/Main sowie mehrere Abgeordnete des türkischen Parlaments in Ankara anwesend. Die Idee dieses Wettbewerbs kam auch bei Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz, wie Prof. Albrecht Beutelspacher eine der vielen Besucher, sehr gut an. „Kultur und Bildung sind verbindende Elemente aller Menschen", betonte sie. Ihre Pflege und Wertschätzung seien sehr wichtig für das Zusammenwachsen verschiedener Kulturkreise. Die jungen Teilnehmer des Hessenfinales sah sie dabei als „Botschafter für die Verständigung der Menschen untereinander". Ihr Interesse und Neugier würden durch die Veranstaltung belohnt, dankte Grabe-Bolz den Organisatoren und zeigte sich überzeugt, „dass sich diese Idee überall verbreiten wird".

Quelle: Gießener Anzeige 

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